Sonntag, 25. November 2012

Stoffmanipulationen 8

Meine begonnenen Projekte zum Thema Stoffmanipulationen - oder auch Stoffspielereien - warten nach wie vor in ihren Schutzhüllen auf ihre Fertigstellung. Im Moment ist immer etwas anderes wichtiger oder interessanter.

So zum Beispiel das Prägen von Samt - meine Stoffmanipulation im November. Seit ich den Artikel über "Embossing Velvet" auf der Threads Homepage und Sew'n'Sushi's Artikel gelesen habe, wollte ich das gern einmal ausprobieren. Da ich wusste, dass das Prägen auf Seidensamt (teuer und nicht so leicht zu bekommen) deutlich besser funktioniert als mit Baumwollsamt, hat es bis zu dem Moment gedauert, als ich in meiner Karstadtfiliale auf dem Tisch mit den Sonderpreisen einen Seide-Viskosesamt für € 10.-/m entdeckt habe. Nun, die Farbe - bräunlich-schlammfarben - ist vielleicht weniger attraktiv, aber zum Ausprobieren der Technik allemal gut. Witzigerweise habe ich fast zeitgleich von einer Bekannten ein Stück hochwertigen Baumwollsamt geschenkt bekommen (Danke, E.); also konnte ich auch gleich dieses Material einem Test unterziehen.

Prägestempel hatte ich bereits, jene aus Holz, die man für Stoffdruck mit Farbe verwendet und zwei kleine Tattoo-Stempel. Diese Stempel hatte ich in der Vergangenheit teilweise schon für meine Keramik verwendet.



Ich habe zum Prägen, wie bei Sew'n'Sushi empfohlen, farblose Seidenmalfarbe verwendet. Mit der Farbe von Deka hatte ich keine Probleme, auch das Einfetten der Stempel erschien mir überflüssig.

Meine Arbeitsweise:

  • Seidenmalfarbe auf einem Schwamm verteilen
  • mit dem Stempel ein wenig Farbe aufnehmen
  • Stempel mit der Prägeseite nach oben auf das Bügelbrett legen
  • Stoff mit der Florseite nach unten auf dem Stempel platzieren
  • diese Stelle auf der Stoffrückseite mit etwas Wasser anfeuchten (sprayen)
  • mit etwas Druck bügeln, Seidensamt ca. 5 Sek., Baumwolle ca. 30 Sek.
  • weitestgehend auskühlen lassen (evtl. pusten)
  • Stoff vorsichtig (in Strichrichtung) abziehen; teilweise klebt der Stoff leicht am Stempel; 


Und nun die Fotos der ersten Ergebnisse:


Dies soll ein Schal werden; es fehlt mir jedoch noch der Rückseitenstoff. Material: Samt aus Seide und Viskose.

Prägungen des Schals mit Stempel



Kissenhülle* aus Baumwollsamt. Sie wird nun dem "Sofatest" unterzogen - ich werde dann demnächst berichten, ob die Prägungen dauerhaft sind.

Kissen, Detail



Ein großes Motiv mit feinen Details auf Seidensamt. Beim Bügeln muss man das Eisen bewegen; das erfordert Vorsicht, damit man den Stoff nicht verschiebt.



Hier habe ich einen Versuch mit blauer Seidenmalfarbe (Javana) gemacht.


Unklar ist mir jedoch noch, ob der geprägte Samt eine Wäsche verträgt. In dieser Anleitung wird chemische Reinigung empfohlen, irgendwo im Netz (finde die Quelle im Moment leider nicht) habe ich gelesen, dass der Seidensamt auch eine Handwäsche übersteht. Ich werde es wohl selbst ausprobieren müssen.

Die Stoffmanipulationen/Stoffspielereien werden im November von annekata gesammelt. Es wird sich wie immer lohnen, bei allen Teilnehmerinnen vorbeizuschauen. Danke an Kathrin für die Organisation und schönen Gruß in die USA.



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* Schlechte Arbeit: ich habe die Ecken der Paspel beim Zusammennähen der Kissenteile festgenäht. Da es mir an allen vier Seiten passiert ist, kann ich behaupten, es sei Absicht.



Kommentare:

  1. Davon hatte ich ja noch nie etwas gehört! Das ergibt ja ungeahnte Möglichkeiten. Besonders das Kissen finde ich schön. Man könnte die Stempel an einer Stelle dicht an dicht setzten und dann unregelmäßig auslaufen lassen. Da kommen gleich viele Ideen.

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    1. Genau die Verteilung der Stempelabdrücke hatte ich im Sinn, aber ich glaube, durch die Wölbung des Kissens sieht man es nicht so richtig.

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  2. Das finde ich jetzt auch ganz besonders toll. Ich besitze naemlich auch ein paar dieser alten Holzdruckstempel und meine Versuche mit Stoffdruck fand ich nicht so begeisternd. Deine Ergebnisse dagegen sind superschoen und sehr inspirierend. Danke auch, dass du das so ausfuehrlich beschrieben hast!

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  3. Zuerst habe ich gedacht, das ist geätzt, so eine Art Ausbrenner. Der Druck kommt sehr exakt. Das würde mich auch interessieren, ob das einer Wäsche standhält. Schöne Spielerei!!!

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  4. Es ist ein Jammer, dass Sew und Sushi nicht mehr so präsent sind- die Projekte der beiden waren echt klasse.
    Und es ist schön, dass du das aufgegriffen hast, es wäre auch zu schade gewesen, wenn deine schönen Stempel nicht mal wieder zum Einsatz kommen.
    Seidensamt ist materialtechnisch ein Alptraum. Du musst wirklich jede Naht heften, die feinen Härchen verschieben die Lagen auf´s Ärgste. Bei einem Schal mit Baumwollabseite ist das vielleicht nicht so schlimm, aber falls du das mal zu einem Kleidungsstück verarbeiten möchtest (und das solltest du echt, du hast die Drucktechnik ja super im Griff) dann mach dich auf was gefasst......

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    1. Das Verschieben der Stofflagen habe ich schon erfahren, als ich eine Probenaht für ein Rückseitenstoff gemacht habe. Gut, ich bin dann doppelt gewarnt. Ich habe allerdings eine Idee, wie ich das zumindest für den Schal in den Griff bekommen könnte. Wenn es geklappt hat, werde ich posten.

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  5. Das sieht wunderschön + total edel aus. Geht das vielleicht auch mit Nicki? Das wäre auf jedenFall kostengünstiger und dann auch nicht so tragisch, wenn man es beim Nähen verhunzt...

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    1. Mit Nicki . das wäre einen Versuch wert, denn Nicki ist in der Regel weicher als BW-Samt, nicht wahr?

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  6. Hmm, da hast Du uns aber wieder Floehe in die Ohren gesetzt :-D !

    Die Ecken-Panne finde ich uebrigends wirklich sehr interessant und sogar nachahmenswert!
    Aber Du weisst ja: viele tolle Sachen wurden mitunter versehentlich erfunden, sprich resultieren auf sog. Fehlern zur Original-Absicht (auch Sauerteig fuer Brot, oder?) :-D

    LG, Gerlinde

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  7. (in eigener Sache)
    Leider finde ich keine Mailadresse. Möchte dich hier nur kurz aufmerksam machen dass ich noch einmal 'zurückgeantwortet' habe bei mir beim Cardi-Thema.

    Liebe Grüße
    Immi

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