Mittwoch, 24. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Poloshirt mit weißer Hose

Beim Me Made Mittwoch zeigen näh- und handarbeitsbegeisterte Menschen ihre Kleidungsstücke und verlinken sie hier. Dabei sind sog. "Tragefotos" erwünscht, also angezogen, nicht nur die Bluse auf dem Kleiderbügel oder die Jacke auf der Puppe.
Also, hier meine Bekleidung von gestern:

( ... wirklich nur aus Versehen mit "Merkel-Raute"...)

Wobei ich einräumen muss, dass ich beim Hausputz und bei der Gartenarbeit anders angezogen war. Der Tag gestern war halt mit verschiedenen Tätigkeiten angefüllt. Übrigens: Bei "schmutzigen" Arbeiten trage ich auch oft Selbstgenähtes, das ich ausgemustert habe, aber zum Wegtun noch zu schade wäre. Aber das nur nebenbei.

Im Foto oben trage ich die weiße Jeans, die ich hier bereits vorgestellt hatte. Das Poloshirt ist neu; im sehr zeitigen Frühjahr entstanden, als an kurze Ärmel noch gar nicht zu denken war. Der gemusterte Jersey hatte mir spontan gefallen, eine Baumwolle mit kleinem Elasthananteil von Karstadt.


Und da ich endlich einmal ein Poloshirt nähen wollte, habe ich Ausschnitt und Unterkragen mit einfarbig dunkelblauem Jersey abgesetzt. Diese kleinen Mengen hatte ich in meiner Restekiste. Dass die Ärmel am Saum ebenfalls einfarbig abgesetzt sind, haben sie nur dem Umstand zu verdanken, dass mir die Ärmel sonst zu kurz gewesen wären. Dabei hatte ich sie am Schnittmuster bereits verlängert. So habe ich die vorgesehenen 4cm Saum fast ganz dem Ärmel zugeschlagen und so knapp wie möglich diesen kleinen Bund angenäht.




So ganz kann ich den Gedanken, dass das Poloshirt ein wenig bieder aussieht, nicht vertreiben. Aber ich denke, zusammen mit der weißen Jeans geht das.

Nun noch die Angaben zum Schnitt:
Shirt: burdastyle 04-2010-113
Da ich die Passform für mich ziemlich gelungen finde (genau die richtige Weite, auch bei den Armlöchern), verwende ich das Basis-Schnittmuster inzwischen auch für andere Shirts.
Hose: burdastyle  04-2010-120 (ach, das selbe Heft!)
Klassischer 5-Pocket-Jeansschnitt, mittlerweile mehrfach genäht.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Neuer Rock mit alter Jacke

Beim Me Made Mittwoch zeigen Hobbyschneiderinnen ihre selbstgenähte Kleidung, wie sie im Alltag (und natürlich auch bei besonderen Gelegenheiten) getragen wird.

Das war meine Kleidung vom Montag:



Der Rock ist neu; kurz und schmerzlos genäht nach meinem vielfach benutzen Schnitt. Er ist ungefüttert, was sich inzwischen als weniger gute Idee herausgestellt hat. Ich denke, ich werde noch nachträglich ein Futter einnähen.
Die "schwarze Masse" im oberen Bereich besteht aus einem selbstgenähten Kurzarm-Shirt aus Jersey - unspektakulär, deshalb gehe ich nicht näher darauf ein. Und einer Leinenjacke, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Für diese Jacke hatte ich einen Super-Stoff erwischt: mittlere Stärke, aber wunderbar weich und mit einem sanften Glanz (Pavani). Der Schnitt: burdastyle 07-2008-112.
Auf dem folgenden Foto kann man dann auch etwas erkennen:


Die Kanten von Kragen und Taschenklappen haben eine flache Paspel aus schwarzer Dupionseide und der Gürtel, der sich vorn durch zwei breite und hinten durch einen sehr breiten Tunnel zieht, ist ebenfalls aus dieser Seide. Die Knöpfe sind noch speziell: Kann man das erkennen? Sie haben vier Löcher in einer Reihe.
Aus diesem Stoff habe ich noch einen kurzen und einen wadenlangen Rock, die ich jedoch nur selten trage; warum eigentlich?
Am Montag habe ich noch diese Kombination ausprobiert:



Die olivgrüne Leinenjacke könnte man kennen, nämlich von hier. Ehrlich gesagt, habe ich den Rockstoff nur gekauft, weil mir im Geschäft sofort die Kombination zu dieser Jacke in den Sinn kam.  Und dann habe ich gleich soviel mitgenommen, dass ich noch eine Jacke nach diesem (oder einem anderen) Schnitt nähen könnte. Nur, oben und unten bunt gemustert ist wahrscheinlich ein bisschen viel. Aber es gibt ja noch mehr Kombinationsmöglichkeiten.

Der Schal war eigentlich nur Deko fürs Foto; natürlich ist er selbst gestrickt und sieht so aus:


Die Farbe ist ein dunkleres Olivgrün. Die Wolle habe ich mit Blutpflaumenblättern selbst gefärbt (hier habe ich Ende 2013 darüber berichtet). Das Strickmuster ist "Upstairs". Vielen Dank, dass es kostenlos zur Verfügung gestellt wurde.

So, ich glaube, es ist alles gesagt für heute und ich übergebe an den MMM-Blog, wo auch heute wieder viel selbstgefertigte Kleidung zu sehen ist. Danke für die Organisation.

Nur für die Qualität der heutigen Fotos bitte ich um Nachsicht und hoffe, dass die nächsten wieder besser gelingen.



Mittwoch, 10. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Neue Hemdbluse in Braun-Blau

Das war jetzt konsequent: Eine Hemdbluse habe ich ausgemustert, da sie abgetragen und löchrig war, eine neue habe ich genäht - aus einem Stoff vom Stofflager (reine Baumwolle, beim Holl. Stoffmarkt gekauft).




Der Schnitt ist wieder aus der Ottobre 5/2012 Modell 7. Diesen Schnitt habe ich bereits einmal für eine karierte Flanellbluse verwendet und für gut befunden. Diese zweite Bluse hat natürlich keine Quernaht im Vorderteil; das war hier überflüssig.
Aber sie hat eine andere Besonderheit: Die inneren Knopfleisten und Manschetten, der Unterkragen und der innere Kragensteg sind aus einem einfarbig dunkelblauen Stoff gefertigt.



Beim Zusammensetzen des Kragens muss man sich gut überlegen, welche Stoffseite nach außen und welche nach innen kommt. Das hatte ich wohl nicht ausreichend gründlich gemacht, denn nach dem Annähen an die Bluse war plötzlich der einfarbige Kragen außen! Blöd. Alles wieder abtrennen? Nein! Ich habe vorsichtig die Verbindungsnaht von Kragen und Steg getrennt, den Kragen umgedreht wieder in die Öffnung geschoben, sorgfältig geheftet und die Stegkanten mit dem Kragen dazwischen ganz schmal wieder aufeinander gesteppt. Hat geklappt. Fehler behoben und wieder was dazu gelernt.

Zur Bluse trage ich eine selbstgenähte Hose aus einem dunkelblauen Baumwoll-Denim nach burdastayle 04-2010-120. Der Schnitt hat sich bewährt und ich habe ihn schon vielfach genäht.

Auch die Kette ist selbstgemacht. Sie besteht aus blauen und braunen Keramikscheiben, die auf ein schwarzes Baumwollband gefädelt sind. Das ist eine ganz frühe Arbeit aus einem Anfänger-Keramikkurs. Ich trage sie selten, da sie farblich nie so recht passt - aber zu dieser Bluse gefällt sie mir gut.



Mehr selbstgemachte Kleidung gibt es auf dem Me Made Mittwoch-Blog zu sehen.


Mittwoch, 3. Mai 2017

Me Made Mittwoch: Vom Mantel zum Kostüm

Wenn ich hochwertige Stoffe kaufe, hebe ich mir die Rechnungen auf. Bei zumindest zweien meiner bevorzugten Händler (Pavani und Florence) finden sich nämlich auf der Quittung auch Angaben über die Stoffzusammensetzung und die empfohlene Pflege. Das kann später mal nützlich sein.

Im aktuellen Fall habe ich der abgehefteten Rechnung das Kaufdatum des Stoffs entnehmen können: 2008. Den vor neun Jahren gekauften Stoff - ein mittleres Bicolor-Leinen, kobaltblau-schwarz garngefärbt - habe ich damals (zeitnah) zu einem teilgefütterten Mantel verarbeitet. So richtig gemocht habe ich das Kleidungsstück offenbar nicht, denn ich habe es im Laufe der Jahre kaum getragen. Vielleicht auch, weil der Mantel ziemlich lang geraten war. Kürzen, wie hier an einem Wollmantel erfolgreich praktiziert, wollte ich den Leinenmantel nicht. Dann habe ich ein ca. 70 cm langes Reststück des Leinens in einer Kiste gefunden und so langsam ist eine brauchbare Idee gereift. Ich hatte ja das olivgrüne Leinenjäckchen, das nicht lange zuvor entstanden ist, noch gut in Erinnerung.

Ich habe den Mantel komplett zerlegt und alle brauchbaren Teile herausfiletiert. Günstigerweise hatte der Mantel praktisch keine Teilungsnähte, so dass diese Stücke plus der Rest ausreichend waren, um ein kleines Kostüm zu nähen. Die Jacke - gleicher Schnitt wie die olivgrüne - entstand aus den Mantelfragmenten, der Rest ergab einen kurzen, schmalen Rock. Gepokert hatte ich bei den Ärmeln: Meine Hoffnung, dass ich sie wie sie waren wiederverwenden konnte, hat sich schließlich erfüllt. Ich habe nur die Armkugeln etwas abgeflacht, dann passten sie.

Lange Rede - jetzt kommt das Foto:

aufgenommen am letzten Sonntag bei einem Jazzkonzert* im Ernst-Leitz-Saal in Wetzlar

Die Jacke ist wieder ungefüttert. Damit sie auch innen einigermaßen schön aussieht, ohne dass ich die Nahtzugaben einfassen muss, habe ich sie auf die halbe Breite nach links gebügelt und abgenäht. Damit verschwindet optisch die Overlocknaht. Auch bei den Innenkanten des Besatzes bin ich so verfahren. Schnell und gut:


Die Saumzugabe habe ich mit (gekauft, aber aus dem Vorrat) Schrägband eingefasst und dieses mit der Hand angenäht.



Den Rock, schnell und gelingsicher genäht nach meinem vielfach bewährten Schnitt, habe ich gefüttert. Einen ausreichenden Rest in schwarz hatte ich in der Kiste mit den Futterstoffen.

Letztlich habe ich nur einen einzelnen schwarzen Knopf gekauft. Die Mantelknöpfe hatten eine andere Farbe, die ich hier nicht haben wollte: Schwarz musste es sein.

Fazit: So mag ich Stoff-Recycling!

Auch heute reihe ich mich wieder in die Parade der Hobbyschneiderinnen ein, die auf dem MMM-Blog ihre selbstgemachte Kleidung zeigen.
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* Das Quartett ist sehr zu empfehlen!


Sonntag, 30. April 2017

Stoffspielereien im April 2017: Alte Techniken

Das vorgegebene Thema für die Stoffspielereien im April 2017 heißt: seltene Techniken.
Das ist bei mir: Jogakbo oder Pojagi.



Zwei Begriffe für die selbe Technik, die aus Korea stammt. Ich hatte noch nie etwas davon gehört bis ich vor einiger Zeit mal in Gabis Blog "made with Blümchen"über diese Namen gestolpert bin und ich konnte gleich ihre Erfahrung bestätigen: Einmal Bilder im Netz aufgerufen, kann man Stunden damit verbringen, sie zu betrachten.

Häufig wird diese Art von einlagigem Patchwork mit halbtransparentem Stoff für Gardinen verwendet (haben mir viele Fotos verraten) und da ich gern neue Gardinen fürs Schlafzimmer hätte, stand der Plan schnell fest: Pojagi-Gardinen aus Ramie in zwei Farben mit dazwischen gestreuten Siebdruckmotiven. Für das Fenster wird es drei Panels geben, in dem jeweils ein Pojagi-Streifen von zwei durchgehenden und ungepatchten Stoffstreifen eingerahmt wird.

Wie macht man Pojagi bzw. Jogakba? Man näht wie beim Patchwork einzelne Stoffstücke aneinander. Da jeweils zwei Nähte für eine Verbindung gemacht werden, sind, ähnlich wie bei einer Kappnaht, beide Stoffseiten sauber. Das ist hier wichtig, denn Pojagi besteht nur aus einer Stofflage. Bei diesen "Kappnähten" liegen vier Stofflagen übereinander, was dem Ganzen die Optik von Tiffany- Glaskunst gibt. Traditionell näht man mit der Hand; das habe ich sofort für mich verworfen, denn das würde bei mir eine Ewigkeit dauern. Aber es gibt auch Anleitungen für das Nähen mit der Maschine: hier und hier.

Mein Stoff ist ein halbtransparenter Ramie, den ich bei Pavani gefunden habe. Weiß und hellgrau hat für mein Vorhaben genau gepasst. Ich hatte zunächst verschiedene Blöcke entworfen, die ich zu einem langen Streifen zusammen nähen wollte, habe aber dann nach den ersten Nähten festgestellt, dass exaktes, millimetergenaues Nähen wichtig ist und ich mir das Ganze nur erschwere, wenn ich meine vorgegebenen Maße einhalten will. Also habe ich nur die grobe Aufteilung geplant und die einzelnen Stücke mehr nach Optik aneinander genäht.

Nach ein paar Probenähten hat sich bei mir folgende Vorgehensweise - basierend auf den oben verlinkten Anleitungen - herauskristallisiert:

  • Beim geraden Ausrichten der Stoffkante hilft mir mein Patchworklineal, das ich an die Kante anlege.
  • Da das zweite, oben liegende Stoffstück genau 1cm eingerückt werden muss, markiere ich mir diese Linie, in dem ich - wieder mit Hilfe des PW-Lineals - mit dem Falzbein eine Linie in den Stoff drücke. Das geht schneller als eine Markierung mit dem Stift und ist auf jeden Fall hinterher unsichtbar.
  • Beim Annähen weiterer Teile messe ich ab einer bereits existierenden Naht, das wird genauer.
  • Da sich Vorder- und Rückseite des Werkstücks darin unterscheiden, dass einmal eine und einmal zwei Nähte zu sehen sind, muss man beim weiteren Annähen von Teilen beachten, dass beim unten liegenden Teil die 1-Naht-Seite oben liegt, beim oberen Teil die 2-Naht-Seite.
  • Per Definition ist die Seite mit einer Naht die rechte.






Meine Siebdruckmaotive sehen so aus:


Ob ich die mehrfarbigen Drucke verwenden werde ist noch nicht entschieden. Bisher habe ich nur zwei eingearbeitet, die hellgrau ausfallen.
Soweit bin ich bis heute gekommen:


Im Detail:



Das Stück ist jetzt 92cm lang; ein wenig länger muss es noch werden, bevor ich die geraden Bahnen annähen und die Gesamtwirkung beurteilen kann. Ich werde über den Fortgang der Arbeit berichten.

Heute werden die Stoffspielereien von Suschna gesammelt (hier klicken für die Übersicht). Vielen Dank für das Thema und das Sammeln der Beiträge.


Mittwoch, 26. April 2017

Me Made Mittwoch: Grünes Ensemble

Gestern hatte ich endlich Gelegenheit, die Rock-Jacke-Kombination zu tragen, von der ich im Januar hier im Blog berichtet habe. Von Rock und Jacke einzeln gibt es bereits Tragefotos, aber beides zusammen fehlte bisher noch.



Für die Jacke verweise ich auf den Beitrag vom Januar (dort auch die Infos zum Schnitt), der Rock ist bereits hier (etwas scrollen) schon einmal aufgetaucht. Seine Besonderheit: Er war einmal ein Schal und ein längerer Rock mit Saumfransen.

Vom Schnitt der Jacke bin ich nach wie vor sehr angetan; deshalb habe ich ihn inzwischen ein zweites Mal realisiert. Zusammen mit einem Rock aus dem gleichen Stoff ist ein kleines Kostüm entstanden, das ich demnächst hier im Blog zeigen  möchte.

Verlinkt mit: MMM - danke für die Organisation der wöchentlichen Präsentation von selbstgemacher Kleidung an der Frau.



Donnerstag, 20. April 2017

Eco Print Kurs in Speyer: Ein Erlebnis!

Seit ich weiß, dass es diese Kurse gibt, wollte ich einmal mitmachen. Jetzt hat es endlich geklappt. Zur Monatswende März/April habe ich an einem viertägigen Eco Print-Kurs in Brunhilde Scheidmeirs Atelier in Speyer teilgenommen.



Was alles in vier Tage Kurs passt:

  • Rostfärbungen auf Baumwolle
  • Eco Print von den Anfangsgründen bis zu Fortgeschrittenen-Techniken
  • Eco Print von Eukalyptus auf Wolle
  • Tray Dyeing Techniken mit Eisenpulver und Gerbstoffen
  • Low Water Immersion Dyeing mit Pflanzenfarben
  • Eco Print auf Papier
  • Informationen über Gerbstoffe und Beizen
  • Überfärben von weniger gelungenen Eco Prints
  • Verstehen lernen, was bei einer Färbung passiert ist
Neben Kursleiterin Brunhilde war Mitausrichter Fritz Jeromin immer anwesend und hat uns an seinem profunden Färbewissen teilhaben lassen. 

Ich war vor allem gespannt auf die Rostfärbungen und auf die Eukalyptus-Prints, denn das war für mich komplettes Neuland.

Rostfärbungen sind ja total einfach zu machen, denn man arbeitet kalt, braucht außer Stoff nur Eisenpulver bzw. rostige Gegenstände, evtl. Lösungen aus Gerbstoffen und Zeit. Wir haben im Kurs mit Eisenpulver und Gerbstofflösungen aus Gallapfel, Granatapfel und Catechu gearbeitet. Der Stoff wird mit Essigwasser angefeuchtet, dann gefaltet, geknüddelt,  gerollt oder, oder oder ... und in einer flachen Schale ausgelegt. Jetzt streut man das Eisenpulver auf die Oberfläche, hält das Ganze einigermaßen feucht und wartet - Stunden oder auch über Nacht. Wickelt man rostige Gegenstände in Stoff oder um sie herum oder, oder, oder ... muss man i.d.R. mehrere Tage warten, bis der Stoff den Rost angenommen hat. Danach ist gründliches Spülen wichtig, denn es darf kein Rost auf dem Stoff verbleiben, das würde zu Schäden führen. Man kann gleichzeitig oder auch hinterher den Stoff partiell mit den Gerbstofflösungen befeuchten, was zu weiteren Farben führt. Das Gute an den genannten Gerbstoffen (oder auch Tee und Kaffee) ist, dass sie nicht dampffixiert werden müssen.

Baumwoll-Fransenschal mit Rost und Gallapfel

Mein rost-gefärbter Stoff hängt zum trocknen vor Brunhildes Atelier im Baum.


Auf den Eco Print von Eukalyptusblättern auf Wolle war ich sehr gespannt. Ich hatte schon viel davon gelesen und Bilder gesehen, aber dieses tolle Rot-Orange selbst noch nicht erreicht, da ich immer die falsche Sorte Eukalyptus verwendet hatte. Hier gibt es Informationen zu den richtigen Sorten. Der verwendete Stoff ist ein Wolletamin, ungebeizt - das ist wichtig. Die Blätter habe ich in der Mitte des Stoffs (Schalformat) in Rollenbreite aufgelegt, stramm gewickelt sowie eng und kräftig mit Seidenschnüren umwickelt, so dass dieser Bereich weitestgehend von der anschließenden Färbung in einem Blauholzsud ausgespart bleibt. Bei meinen drei Schals sind die Ränder eher grau als blau geraten, was mich aber gar nicht stört - im Gegenteil. Einen blauen hätte ich vielleicht gern gehabt ... aber das kann ich ja jetzt selbst bei mir zuhause versuchen.

So kommt die Rolle aus dem Dämpftopf.


Das Auswickeln beginnt.

nach dem Auswickeln

Der Schal misst immerhin 200x70cm.

 
Ein Schalende zeigt die Spuren der Wicklung - das macht den Gesamteindruck interessant.

Der Abdruck der Eukalyptusblätter im Detail.

Low water immersion dyeing war eine Überraschung für mich, denn ich hatte den Begriff zuvor noch nicht gekannt und wusste auch nicht, dass das im Kurs vorkommen würde. Diese Methode wird vornehmlich mit Procion oder anderen Reaktivfarben praktiziert. Zurück zuhause habe ich ein wenig recherchiert, aber über diese Technik zusammen mit Pflanzenfarben habe ich nichts gefunden. Ein Gutteil Erfahrung damit ist wohl nötig, denn Brunhilde hat das Arrangieren der Stoffe im Glas und die Verteilung der Farben und Zusätze für uns durchgeführt; wir haben nur die grobe Farbrichtung vorgegeben.

 vor dem Dämpfen


Das mit Stoff und Farbe und - wie der Name sagt - wenig Wasser gefüllte und fest verschlossene Glas wird "eingekocht", wie wir das vielleicht mit Gemüse in Weckgläsern aus Großmutters Zeiten noch kennen, d.h. die Gefäße werden wie die Eco Print-Rollen über kochendem Wasser gedämpft.

nach dem Dämpfen

Auch hier kann man die Färbungen nur bis zu einem gewissen Grad steuern. Somit wird jede Arbeit zu einem Unikat.
So kam mein Stoff aus dem Glas:



Und so sieht er aus:


Gefärbt mit Blauholz, Krapp, braunen Zwiebelschalen und verschiedenen Gerbstoffen - alles soweit ich mich erinnere. Das Stoffstück ist 150x100cm groß und hat tatsächlich in dieses Glas gepasst.

Ich habe in dem Kurs viel gelernt. Mal abgesehen davon, dass es großen Spaß gemacht hat und es schön war, neun andere Färbebegeisterte kennenzulernen und mit ihnen vier Tage zusammen zu arbeiten.
Danke an Brunhilde Scheidmeir und Fritz Jeromin, die uns ihr geballtes Färbewissen zur Verfügung gestellt haben.

Dieser Blogpost war bereits vor Ostern so gut wie fertig. Ich habe jedoch mit der Veröffentlichung noch gewartet bis ich den Stoff vom letzten Foto zuhause hatte, denn ich hatte ihn in Speyer liegen gelassen und er musste mir erst zugeschickt werden. Deshalb fehlt er auch im ersten Foto oben, wo alle größeren im Kurs entstandenen Stoffe zu sehen sind.
Inzwischen habe ich auch angefangen, die Eukalyptus-Schals zu säumen. Ich mache zum ersten Mal einen Rollsaum mit der Hand! Bei diesen Schals lohnt sich die Handarbeit wirklich. Meine Quote ist: ca. drei Fernsehabende für einen Schal, bei dem sich immerhin 5,40m Rollsaum summieren. Je nach dem, wie fesselnd der Film ist.


Mittwoch, 12. April 2017

Me Made Mittwoch: Grüner Sommerrock

Als es am Sonntag so schön sonnig und warm war, habe ich eines meiner neuen Sommer-Kleidungsstücke angezogen:

 


Der Rock aus grünem Leinen ist nach dem Schnitt Nr.9 aus der Ottobre 2/2015 entstanden. Im Heft hat er den Namen "Mandarine". Das Modell mit dem interessanten Sattel, der die vorderen Abnäher aufnimmt, hat mir gleich gefallen.

(Ist das zu erkennen?)

Damit dieses Detail auch zur Wirkung kommt, sollte man, finde ich, einen einfarbigen Stoff verwenden. Ein mittleres Leinen, wie bei mir, ist einfach der ideale Stoff dafür. Meinen grasgrünen habe ich einmal für ein anderes Projekt gekauft. dieses aber dann nicht realisiert. Somit lag der Coupon eine Weile im Schrank und war jetzt ideal, um diesen Schnitt zu testen.

Ich kann den Schnitt nur wärmstens empfehlen. Der Rock ist einfach zu nähen, hat ein gewisses Etwas durch den Sattel und ist bequem zu tragen. Ich habe in ihm am Sonntag sogar Gartenarbeit gemacht. Das Top ist alt, war aber das einzige wirklich passende Kombiteil in meinem Schrank.

Da mir der Rock bei der ersten Anprobe etwas zu kurz war, habe ich erstmals den Saum mit einem Schrägstreifen eingefasst, um die Saumzugabe komplett zu nutzen. Irgendwo, die Quelle finde ich gerade nicht, wurden bei einer Umsetzung des Schnitts noch Taschen eingefügt, für die das Schnittteil des Sattels hochkant verwendet wurde. Eine super Idee! Das werde ich nachmachen, wenn ich den Rock nochmals nähe. Auch einen schmalen Bund kann ich mir hier vorstellen.

Dieses Outfit präsentiere ich beim heutigen Me Made Mittwoch, wo wieder Hobbyschneiderinnen ihre selbstgemachten Kleidungsstücke zeigen; auch Gestricktes usw. ist erlaubt, solange es "an der Frau" zu sehen ist. Danke an die Organisation.

Samstag, 8. April 2017

Eco Print-Kurs in Speyer: Kleine Vorschau

Zur Monatswende (30.3. bis 2.4.2017) war ich Teilnehmerin eines Eco Print-Kurses im Textilstudio Speyer, wo Inhaberin Brunhilde Scheidmeir und Mitveranstalter Fritz Jeromin uns die Grundlagen dieser spannenden Färbetechnik vermittelt haben.
Das waren ganz wunderbare vier Tage!
Ein ausführlicher Bericht ist in Arbeit, dauert aber noch ein wenig.

Hier und heute nur zwei Fotos: (Klick aufs Bild vergrößert)

ein "Abfallprodukt" beim Eco Print


Eco Print auf Papier


Sonntag, 26. März 2017

Stoffspielereien im März 2017: Shibori

Das Thema der Stoffspielereien im März lautet: Shibori.


Karen hat das Thema ausgesucht und sie sammelt heute auch auf ihrem Blog die Beiträge.

Shibori gehört zu den japanischen Kunsthandwerks-Techniken, die ich persönlich sehr interessant finde. Man arbeitet mit Stoff, Garn und Farbe - das sind alles "meine" Materialien.
In aller Kürze: Der zu färbende Stoff wird abgebunden, gefaltet oder genäht und anschließend fixiert. Grundsätzlich geht es darum, bestimmte Partien des Stoffs davor zu bewahren im anschießenden Farbbad Farbe anzunehmen; das nennt man Reservierungsfärbung. Auf diese Weise entstehen Muster, zufällige oder mehr oder weniger gelenkte.

Auf der Website shibori.org habe ich eine sehr schöne Beschreibung gefunden, die die ursprüngliche Idee der Stoffspielereien aufgreift, nämlich den zweidimensionalen Stoff in die dritte Dimension zu bringen:

When the cloth is returned to its two-dimensional form after dyeing, the design that emerges is the result of the three-dimensional shape, the type of resist, and the amount of pressure from the thread or clamp that secured the shape during the cloth’s exposure to the dye. The cloth sensitively records both the form and the pressure; the “memory” of the shape remains imprinted in the cloth.

Ein kleines Basiswissen zu Shibori habe ich mir im Netz angelesen. Als Material für meine ersten Versuche habe ich verschiedene Stoffservietten genommen, die vor einiger Zeit in meinen Besitz gelangt sind. Auch ein baumwollenes Handtuch, das ein wenig Struktur aufweist, ist dabei, damit ich testen kann, wie Shibori auf nicht glattem Stoff herauskommt.

Die traditionelle Farbe für Shibori ist Indigo. Ich habe jedoch auch hier etwas aus meinem Vorrat verwendet: Ich hatte noch ein paar Döschen Procion MX. Da jedoch kein Blau dabei war, habe ich mich für "raspberry" entschieden. Bei der Verwendung dieser Farbe wird empfohlen, den vorgewaschenen Stoff in einer Sodalösung zu baden. Er wird dann nur ausgewrungen, nicht gespült und kann dann entweder sofort in feuchtem Zustand gefärbt werden, oder man trocknet, bügelt und legt sich einen "Vorrat" an.

Wie man mit Procion MX färbt, habe ich mir z.B. hier und hier angelesen. Den Umgang mit der Farbe und gleichzeitig Anregungen zu Shibori findet man auch auf dem Blog Textile-Ideen.

Jetzt geht's los mit vielen Fotos. Damit man gut erkennen kann, welche Technik zu welchem Ergebnis geführt hat, habe ich die zusammengehörenden Fotos immer nebeneinander gestellt. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, die Fotos durch Anklicken zu vergrößern.

1. Parallel ausgeführte Vorstiche

 


                                             
2. Zweimal ziehharmonikaartig gefaltet und mit Gummibändern fixiert

 


3. Zweimal ziehharmonikaartig gefaltet und mit zwei Scheiben (Nähmaschinenzubehör!!!) fixiert

 


4. Eingebundene Objekte (kleine Schneckenhäuser ...), mit Gummiringen fixiert

 




5. Auf gefalteten Stoff mit Vorstechen genähte Halbkreise

 




 
linker Kreis: Vorder- und Rückseite sehen unterschiedlich aus

6. Einmal gefaltetes Stoffstück, schräg auf ein Plastikrohr gewickelt

 


7. Abbindungen und Fixierungen mit Foldback-Klammern

 


Bei der Anleitung zur Farbe hieß es, man solle nach dem Färben zunächst nicht spülen, sondern den Stoff für wenigstens 10 Std. auf der Leine trocknen lassen. Das habe ich getan, dann habe ich gespült. Und gespült und gespült und nochmals und wieder gespült. Gefühlt hundertmal. Und das Spülwasser war immer noch nicht klar. Ist das normal? Oder was habe ich falsch gemacht? Meine einzige Idee ist: Ich habe zuviel Farbpulver genommen; ich habe nichts abgewogen, habe nach Gefühl dosiert.
Was ich auch nicht verstanden habe, ist das Verhältnis von Soda zu Farbe. In den Anleitungen heißt es, man solle nicht nur Salz sondern auch Soda in die Farbflotte rühren. Andererseits habe ich auch gelesen: Die angerührte Farbe darf nicht mit Soda in Berührung kommen. Ja, was denn nun? Außerdem würde der mit Soda vorbehandelte und nicht gespülte Stoff beim Färben Soda in die Flotte abgeben, denke ich. Oder nicht? Fragen, die jetzt nicht unbedingt zum Thema Shibori gehören, aber ich stelle sie trotzdem; vielleicht bekomme ich ja Antworten, denn ich würde schon gern einen zweiten Shibori-Versuch wagen.

Zu meinen verwendeten Stoffen: Ich denke, etwas dünnere Stoffe hätten sich besser geeignet, vor allem auch für die Technik Nr.6 (Akashi Shibori). Das würde ich gern nochmal mit einem dünneren Seidenstoff probieren. Damit sollte diese Technik eigentlich gut herauskommen und einen Seidenschal oder -tuch kann ich mir in dieser Optik sehr gut vorstellen.

Im Moment habe ich noch keinen Plan, was ich mit meinen Shibori-Stoffen anfange. Ich müsste auch zuvor noch das Problem lösen, dass sich ja immer noch Farbe ablöst, wahrscheinlich auch durch Reibung.
Ich habe die noch nicht weiter ausgegorene Idee, Shibori mit Siebdruck zu verbinden. Meine ersten Siebdruckversuche bringen mich auf diesen Gedanken.

Danke an alle, die organisiert und mitgemacht haben. Ich freue mich übrigens schon auf die Stoffspielereien im April (Thema: seltene Techniken), ich habe sogar schon mit meinem Projekt begonnen...